Ich möchte dir einen Einblick geben, warum ich tue, was ich tue. Ich bin so geprägt worden, dass ich, seit ich mich erinnere, darauf geschult wurde, das zu tun, was von mir verlangt wurde. Die Kultur war einfach: ‚Entweder du hältst den Mund oder du kriegst eins auf den Mund.‘ Es entstand ein Antrieb in mir, gut sein zu wollen, der mein ganzes, damaliges Leben prägte. Also tat ich alles, was von mir verlangt wurde und so gut, wie ich konnte. Ich machte, was meine Eltern wollten, ich tat, was mein Bruder wollte, ich tat, was die Schule wollte, ich tat, was die Therapeuten wollten, ich tat, was die Ausbildner wollten, ich tat, was der Arbeitgeber wollte, ich tat, was der Staat wollte, ich tat, was die Ärzte wollten, ich tat, was ich glaubte, was Gott von mir wollte. Mitte zwanzig, am Ende dieser Reise, fand ich meinen Körper in einem Bett liegend und jede Zelle meines Körpers sendete mir ein unerkennbares Signal: ‚Ich möchte sterben‘. Mein Verstand konnte nicht einordnen, was jetzt mit mir los wahr. Ich nenne es ‚das Gefühl des lebendigen Todes‘. Es fühlte sich an, als ob meine Seele aus dem Körper gepresst wurde und es keinen Platz mehr für mich auf dieser Welt gab. In dieser Zeit, während der Suche nach einer Ursache, kam mir wie aus dem ‚Nichts’ ein Gedanke, der mich bis heute begleitet: Als ich da lag und dem Tod in die Augen schaute, kam mir der Gedanke: ‚Das bin ja ich!‘, diese Person, die gerade wegstirbt, ist nicht jemand anders, sondern ‚das bin ich‘. Ich begriff in dieser Zeit, warum jedes Baby, das keine Liebe bekommt, stirbt. Und warum ich überlebt hatte? Ich glaube, weil ich nach dem Leben suchte, aber nicht wusste, wo ich es fand. Danach fing eine lange, qualvolle Reise zu mir selbst an. Wenn ich damals gewusst hätte, was noch alles auf mich zu kommen würde, wäre ich vielleicht nicht aufgebrochen. Aber ich machte mich auf diese Reise, jeden Tag, Schritt für Schritt, schmerzhaft und doch sinnvoll. Obwohl ich alle meine Fähigkeiten einsetzte und jeden Tag mein Bestes gab, schien es, als ob ich kaum vorankam. Die Schritte waren klein, manchmal sogar mikroskopisch klein. Aber ich wusste: ‚Ich würde diesen Weg wieder gehen, und ich werde ihn nicht mehr verlassen.‘
Diese kurze Geschichte von mir beinhaltet einen Augenzwicker von dem was wirklich passierte. Um alle Geschehnisse zu erläutern die in all den Jahren passiert sind müsste ich ein Buch schreiben. Ich hoffe du hast trotzdem einen minimalen Einblick in mein Leben bekommen. Aus dieser Erfahrung meiner Vergangenheit entstanden drei bewusst Werte die ich nun in meinem Leben leben werde.